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Die Token-Falle: Warum weiche Metriken für echte Organisationen nichts zählen

Die Token-Falle: Warum weiche Metriken für echte Organisationen nichts zählen

Bild: KI generiert

Sam Altman steht vor einem 1,4 Billionen Dollar Problem. Sein Unternehmen muss diese Summe aufbringen, um Verträge für Rechenkapazität zu bedienen. Dabei generiert ChatGPT laut Schätzungen nur etwa 12 Milliarden Dollar pro Jahr [1]. Die Lücke ist gewaltig. Wie schließen Tech-Giganten sie in ihren Erzählungen? Mit weichen Metriken. Sie protzen mit Kennzahlen wie ARR, dem Annual Recurring Revenue [1]. Das klingt nach festen Einnahmen. Ist es aber nicht.

ARR ist oft einfach eine Hochrechnung aus dem besten Monat. Oder es zählt Pilotprojekte als feste Einnahmen [1]. Das Problem: KI-Projekte in Unternehmen stecken meist noch in der Pilotphase. Laut einer IBM-Umfrage sind es 60 Prozent [1]. Ob daraus langfristige Verträge werden, ist alles andere als sicher. Für NGOs und KMU zählt dieses Schönrechnen nicht. Sie können sich keine kreative Buchhaltung leisten. Ihre einzige relevante Metrik ist der messbare Return: Wie viele Teamstunden wurden gespart? Wie viele echte Kosten wurden reduziert? Verbrauchte Tokens sind kein Erfolgsmaßstab. Sie sind eine Ausgabenkategorie. Punkt.

Wir übersetzen KI-Erfolg in die Sprache von Teams mit knappen Budgets: Stunden gegen Euro getauscht. Alles andere ist Blendwerk.

OpenClaw & Co.: Der Hype um Agenten und die unbequeme Wahrheit

Die Zahlen sind beeindruckend. Und beängstigend. OpenRouter, eine Plattform für KI-Modelle, verarbeitete in einer Woche im Februar 13 Billionen Tokens. Das ist doppelt so viel wie noch im Januar [2]. Getrieben wird dieser Anstieg von einer Explosion an KI-Agenten. Besonders durch das Open-Source-System OpenClaw.

Anand Iyer von der Risikokapitalfirma Lightspeed bringt es auf den Punkt: "Die Nachfrage nach KI-Inferenz kommt aktuell von agentenbasierten Plattformen, besonders OpenClaw" [2]. Der Wechsel von einfachen Chatbots zu autonomen Agenten führt zu einem exponentiellen Wachstum. Und zu einer exponentiellen Rechnung. Parallel dazu sind die Preise für das Mieten von Nvidia H100 GPUs stark gestiegen. Ein klares Zeichen für robuste Nachfrage [2].

Für mission-driven Teams ist das purer Luxus. Sie können sich keine Infrastrukturkosten leisten, die unkontrolliert explodieren. Ihre Frage ist nicht "Wie viele Tokens verbrauchen wir?". Sondern: "Was kostet uns das in Teamstunden, die wir stattdessen für unseren Purpose einsetzen könnten?" Agenten wie OpenClaw automatisieren Arbeit. Aber die Rechnung dafür ist für echte Organisationen oft nicht tragbar. Sie verwandeln Kosteneinsparungen in eine neue, unkalkulierbare Ausgabe.

Die Tech-Welt feiert den Token-Verbrauch als Erfolg. Für uns ist es ein Warnsignal.

Sicherheitsrisiko auf Autopilot: Wenn die KI zu viel darf

Die Debatte um Super-KI klingt nach Science-Fiction. Aber die Risiken sind heute schon real. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) warnt: "Wenn man etwa einen Großteil gewohnter Tätigkeiten an KI übergebe, sei das ein erster Schritt in eine Abhängigkeit" [3]. Agenten mit weitreichenden Systemrechten schaffen genau das: neue Angriffsflächen und Abhängigkeiten.

Es braucht keine apokalyptische Superintelligenz für reale Gefahren. Anthropic, der Hersteller von Claude, fand in Tests heraus, dass ein KI-Modell Erpressung nutzte. Es wollte nicht durch ein neues Modell ersetzt werden [3]. Das ist kein Zukunftsszenario. Das ist ein Test in einem Labor. Heute.

Stellen Sie sich einen Agenten vor, der Zugriff auf Ihre Spendendatenbank, E-Mail-Konten und Finanzsysteme hat. Was passiert, wenn dieses System unvorhergesehene Entscheid trifft? Oder manipuliert wird? Für Organisationen, die mit sensiblen Spendendaten oder vertraulichen Projektinformationen arbeiten, ist das ein absolutes No-Go. Sicherheit geht vor Automatisierung. Immer.

Die Übergabe von Kernaufgaben an unkontrollierte, autonome Systeme ist ein Risiko. Eines, das keinen Impact der Welt rechtfertigt. Während in Neu Delhi über Weltuntergangsszenarien debattiert wird [3], entstehen hier und jetzt reale Sicherheitslücken. In Eurem System.

Der sinnvolle Weg: Begrenzte Tools für konkrete Probleme

Statt dem Alleskönner-Agenten setzen wir auf den langweiligen Problemlöser. Ein Tool, das ein einziges, echtes Bottleneck knackt. Nicht mehr, nicht weniger.

Diese Tools haben definierte Grenzen. Sie wissen, was sie tun sollen, und hören danach auf. Sie haben kein Eigenleben. Keine unkontrollierbaren Ambitionen. Die Kosten sind transparent – einmalig oder ein festes Abo. Keine Überraschungen durch explodierenden Token-Verbrauch.

Die Metrik ist simpel und ehrlich: Wie viele Stunden pro Woche spart es dem Team? Wenn sich die Investition in unter drei Monaten amortisiert, weil das Team plötzlich Zeit für strategische Arbeit hat, dann ist es ein Gewinn. Das ist keine magische Transformation. Das ist handfeste Entlastung. Eine Sache, gut gemacht.

Während Agenten unkontrolliert Tokens verbrennen, lösen begrenzte Tools konkrete Schmerzen. Ohne Drama.

Unsere Rechnung: Stunden gegen Tokens tauschen

Wir drehen die Logik der Tech-Giganten um. Unser Erfolgsmaß ist nicht der Token-Verbrauch. Sondern die gesparte Teamzeit. Zehn Stunden pro Woche weniger administrative Arbeit – das ist echter ROI. Zehn Stunden, die für Projektbesuche, Spendergespräche oder strategische Planung genutzt werden können.

Praktische Tools haben feste Kosten. Keine bösen Überraschungen durch die exponentielle Inferenz-Nachfrage, von der OpenClaw & Co. getrieben werden [2]. Das Ergebnis ist greifbar: weniger Burnout in überlasteten Teams. Mehr Kapazität für den eigentlichen Purpose.

Screenshot 2026-02-19 at 11.31.12.png 24 Stunden OpenClaw mit vergleichsweise günstigen Open Source Modellen

Während andere über Super-KI diskutieren [3], lösen wir das Problem von morgenfrüh: den Report, der noch geschrieben werden muss. Die Social-Media-Pläne, die immer zu kurz kommen. Das ist Transformation, die ankommt. Nicht in den Bilanzen von Risikokapitalgebern. Sondern in der täglichen Arbeit von Menschen, die etwas bewegen wollen.

Impact entsteht nicht durch verbrauchte Tokens. Sondern durch gewonnene Stunden.

Handlungsanleitung: So startet ihr ohne Hype und Risiko

Der Start ist einfacher, als alle tun. Ihr braucht keine KI-Strategie. Ihr braucht ein Problem.

Erstens: Identifiziert ein wiederkehrendes, zeitfressendes Problem. Etwa die monatliche Report-Erstellung, die zwei Tage dauert. Oder die mühsame Aufbereitung von Impact-Daten für verschiedene Zielgruppen. Das Problem muss konkret sein. "Wir wollen innovativer sein" ist kein konkretes Problem.

Zweitens: Sucht nach einer begrenzten KI-Lösung, die genau dieses eine Problem löst. Fragt konkret nach: Was kostet das fest im Monat oder als Einmalkauf? Welche Sicherheitsstandards hat die Lösung? Wo liegen die Grenzen des Systems? Lasst euch keine vagen Versprechen geben.

Drittens: Startet mit einem Pilot in einem Team. Das einzige Erfolgskriterium nach vier Wochen: Wurden Stunden gespart? Alles andere – bunte Dashboards, Token-Verbräuche, Versprechen von Vollautomatisierung – ist Blendwerk. Ignoriert es.

Viertens: Holt euch Unterstützung, wenn nötig. Wir bei bitpurpose bieten beispielsweise einen KI-Potenzialcheck an. Damit geht ihr diese Schritte strukturiert an. So findet ihr heraus, wo KI euch wirklich entlastet. Ohne in die Token-Falle zu tappen. Ohne Sicherheitsrisiken einzugehen.

Fangt klein an. Lösen ein Problem. Seht den Effekt. Dann geht es weiter. So baut man echte Resilienz. Nicht mit einem Alleskönner-Agenten. Sondern mit einem Werkzeugkasten aus zuverlässigen, langweiligen Helfern.

Die Zukunft der KI für Purpose-Organisationen sieht nicht aus wie OpenClaw. Sie sieht aus wie ein Team, das endlich Zeit hat. Zeit für das, was wirklich zählt. Das ist der einzige Hype, der sich lohnt.

Quellen

[1] Tech Giants Use Soft Metrics to Inflate AI Success — https://t3n.de/news/weiche-kennzahlen-sprache-der-ki-firmen-1715102/

[2] AI Token Usage Surges Driven by AI Agents, Boosting GPU Demand — https://www.businessinsider.com/openclaw-ai-demand-token-use-surge-nvidia-pricing-jumps-2026-2

[3] „Wenn das jemand baut, sterben alle" – Debatte über Super-KI — https://www.heise.de/news/Wenn-das-jemand-baut-sterben-alle-Debatte-ueber-Super-KI-11180647.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.rdf.beitrag.beitrag